Fragen an die Zeitzeugen

Jugend

·      Woran hast Du gemerkt, dass Du eine Jugend in der DDR erlebst?  

·      Was war spezifisch, im Rückspiegel betrachtet?

·      Was hat die Jugend von heute nicht erlebt, das Du für ein wichtiges Zeitzeugnis hälst (was dich geprägt hat)? 

·      Wie sahen Deine privaten Träume aus?

·      Hattet Ihr bereits Kinder? Welchen Einfluß hatten sie auf Deine „Selbstzensur“ beim gesellschaftlichen, politischen oder künstlerischen Handeln? 

 

 Kultur

·      Was hat der Kulturbetrieb für Dich damals vermocht und was nicht? 

·      Was war der Auslöser für dein Engagement?

·      Wie wichtig waren Dir Musik und die Aussagen der Bands, Filme, Bücher, Ausstellungen, Theater und Zeitschriften aus Ost oder West?

·      Wo bist du auf Zensur gestoßen? 

·      Gab es für Dich eine Möglichkeit Dich künstlerisch auszudrücken und zuzuordnen?

 

Politik

·      Welche politischen Ambitionen, gesellschaftliche Vorstellungen hattest Du vor, während und nach dem Umbruch? 

·      Lehnst Du die Idee des Sozialismus ab oder siehst Du die DDR nur als misslungenen und pervertierten Versuch?

·      Welche Ambitionen/ Träume wurden erreicht und für welche sollte man sich heute noch einsetzen?

·      Seid Ihr heute noch politische Menschen/Akteure?

Ursprüngliche Motivation der Zeitschrift "Radikal"

„Die 68er Opas haben immer noch nicht begriffen, daß wir nicht für die Öffentlichkeit kämpfen, sondern für uns. Und zwar nicht gegen einen „Mißstand“, sondern für ein selbstbestimmtes Leben in allen Bereichen. Autonomie aber subito!“

Amtsblatt der Stadt Quedlinburg                        29. November 2014

Quedlinburgs inoffizieller Feiertag 

Auch kleine Dinge können von der Bedeutung eines Ereignisses Zeugnis ablegen. In diesem Fall ist das „Ding” ein jahrzehntelang wohlgehütetes Stück Pappe von 30 x 57 Millimetern. Es ist eine Zugfahrkarte der Deutschen Reichsbahn vom 26. Oktober 1989. An diesem Tag wollten auch zwei Bad Suderöder mit dem Auto in die damalige Kreisstadt Quedlinburg fahren, um an der ersten Veranstaltung des Neuen Forums teilzunehmen. Doch an der Stadtgrenze war Schluss, die Straße von Sicherheitskräften abgeriegelt. Also kehrten sie um, kauften sich eine Fahrkarte und fuhren mit dem Zug. So gehörten sie trotz der Sperrung zu den über fünftausend Personen, die in Markt- und Nikolaikirche für politische Veränderungen eintraten. 

 

An dieses Ereignis erinnerte eine privat organisierte Gedenkveranstaltung in der Nikolaikirche. „Wir Quedlinburger können doch nicht den 26. Oktober gruß- und danklos verstreichen lassen“ begrüßte Pfarrer i.R. Eckhard Sehmsdorf die Gäste. Er erinnere sich gerne an dieses Datum, dankbar, dass die Jugend den Stein ins Rollen gebracht hat, und dankbar, dass die Revolution eine friedliche geblieben ist. 

Für die große Politikbühne sind andere Tage wichtig - doch in Quedlinburg ist der 26. Oktober der eigentliche Feiertag. „Unser Tag“, wie Mitinitiator Hans Jaekel sagte und anregte, ihn endlich mit einem Ort des Gedenkens zu würdigen. Obwohl er nicht vorgreifen wollte, in welcher Form dies geschehen soll, fand sein Vorschlag breite Zustimmung. 

OB Dr. Eberhard Brecht war im Herbst 89 einer der ersten etablierten Bürger gewesen, die sich aktiv für den Wandel engagierten. Er verdeutlichte, welchen Stellenwert diese Zeit bis heute für ihn hat: „Ich bin im Nachhinein dankbar, in den 80er Jahren keinen Ausreiseantrag gestellt zu haben.“ Neben seinem positiven Resümee zur friedlichen Revolution brachte er auch sein Unverständnis für Ostalgie ebenso zum Ausdruck wie seinen Ärger über westdeutsche Arroganz und zu große soziale Ungleichheiten. So sieht er den Herbst 89 nicht als Endpunkt notwendiger Veränderungen, sondern als Zwischenetappe auf dem Weg nach mehr Gerechtigkeit. 

Wie vor 25 Jahren war es die Kirche, die der Veranstaltung buchstäblich Raum gegeben hat. Während diesmal die Nikolaikirche unkompliziert von Pfarrer Martin Gentz zur Verfügung gestellt wurde, war die Entscheidung im Oktober 89 ein intensives Ringen im Gemeindekirchenrat. Holm Petri erinnerte als letzter Redner an die entscheidende Kirchenratssitzung und an das Wirken von Quedlinburgs verstorbenem Ehrenbürger Probst Bernhard Brinksmeier. 

Die anschließenden Gespräche verliefen in einer heiteren Atmosphäre, in der kein bisschen Ostalgie zu spüren war, sehr wohl aber die Freude, den Wendeherbst erlebt zu haben. Für die meisten der Anwesenden waren die Bilder dieser Zeit wieder gegenwärtig. Es wurde deutlich, wie wichtig das Erinnern für heutiges Selbstverständnis ist. 

So wurde der einfach gehaltene Abend, ganz ohne verbales Getöse, zu einem Abend der Besinnung auf den Mut und die Kraft, mit der viele Menschen ein ungeliebtes Regime bezwingen konnten. Und darauf, das Quedlinburg nicht Zaungast, sondern aktiver Teil des Aufbegehrens war. 

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Die vollständigen Beiträge von Pfarrer i.R. Eckhard Sehmsdorf und OB Dr. Eberhard Brecht sowie weitere Fotos unter www.daswunderderkerzen.de.